Dienstag, 13. August 2019
was ich dabei hatte und was bei der Radtour fehlte
Es gibt 4 Fahrradtaschen und eine Lenkertasche:
vorne rechts:
Technik
Werkzeug

vorne links:
Essen und Kochen

hinten rechts:
Zelt, Schlafsack, Waschzeug, Handtuch, Schlafsachen

hinten links:
Kleidung


was fehlte:
- zweite Radfahrunterhose
- zweiter Flaschenhalter
- zweite Powerbank
- Regenkleidung statt Cape
- Mückenstichjuckenlinderungsmittel
-

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Sonntag, 11. August 2019
Von Gladbeck nach Bonn
Start bei 1524 km

Das wird heute der "längste Tag". Die Nacht in der Alten Post (WLAN gibt es mit einem Stecker für die Steckdose) war nach ein paar Veltins sehr ok. Morgens bin ich noch unentschieden, wie weit ich fahren will. Ernsthaftes Tagesziel wird dann Zons.

Auf dem Weg dahin geht es zunächst durch Wohngebiete von Gladbeck, Bottrop und Oberhausen. Dass zu fotografieren, fällt etwas schwer, weil es meist so wenig typisch für Gladbeck, Bottrop oder Oberhausen ist. Das hier ist auch Oberhausen:

Dann winkt in der Ferne der Gasometer von Oberhausen:

Kurz davor bin ich sprachlos, als ich von guten Freunden aus Bonn angesprochen werde, die ebenfalls sich die Ausstellung "Der Berg ruft" ansehen wollen. Das ist sehr merkwürdig, nach mehr als drei Wochen gefühlt noch eine Ewigkeit von Bonn weg gute Freunde zu treffen.

Die Ausstellung ist dann sensationell:



Und spektakulär, um ein anderes Adjektiv zu gebrauchen als sensationell, ist dann auch der Blick vom Dach des Gasometers.

Das bringt mich dann auf die Idee, statt weiter endlose Stadtlandschaften zu durchfahren jetzt der Emscher entlang zu folgen. Wie man sieht ist das eine ziemlich geradeaus führende Strecke.

Auf dem weiteren Weg stelle ich das Garmin darauf um, die möglichst kürzeste Strecke beim Routing zu wählen. So komme ich ziemlich zügig die Emscher entlang nach Duisburg, quere die Ruhr und fahre dann durch diverse Duisburger Stadtteile nach Düsseldorf. Klischees werden dabei bestätigt: in Duisburg gibt es viele Häuser und Straßen in einem eher vernachlässigten Zustand, in Düsseldorf gibt es viele sehr gepflegte Häuser und Straßen mit breiten Radwegen.

Bei einem Alt und einem Mettbrötchen überdenke ich das Tagesziel noch einmal neu. Ergebnis: wenn ich bis 19 Uhr an Zons vorbeifahre, kann ich auch bis nach Bonn durchfahren, ohne erst nach Mitternacht anzukommen.

Dazu geht es über die Fleher Brücke nach Neuss Üdingen, gegen 18:15 an Zons vorbei durch Dormagen.

Erste heimatliche Gefühle kommen in Worringen

und Fühlingen, erst recht dann in Nippes und am Eigelstein auf.

Eine kurze Stärkung mit einem oder zwei Kölsch, dann geht es gegen acht Uhr weiter an der Rheinuferstraße entlang nach Wesseling

von dort den Leinpfad am Rhein entlang bis nach Bonn. Es ist inzwischen komplett dunkel. Aber die Aussicht auf das eigene Bett ist stärker als alle Müdigkeit in den Beinen.

Da werde ich gegen 23:15 Uhr noch einmal überrascht. Das Telefon klingelt, und es meldet sich eine gute Freundin, die mich am Alten Zoll hat vorbeifahren sehen.

Die Fahrt und die Radtour insgesamt endet dann knapp vor Mitternacht nach 1654 km.

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Samstag, 10. August 2019
Von Velen nach Gladbeck
Start bei 1460 km

In Velen war der Gasthof "Coesfelder Tor" ein sehr angenehmes Quartier. Allerdings bekam ich morgens einen Schreck, als ich unter der Dusche eine Zecke auf meinem Bauch fühlte. Sie ließ sich nur etwas widerwillig, dann aber vollständig inklusive Kopf, entfernen.

In Velen gab es vor (vielen) Jahren die Gelegenheit, hier auf einer Hochzeit etwas zu singen - eine schöne Erinnerung:

Kaum unterwegs, bläst dann ein kräftiger Wind, mal von vorn, mal von der Seite.

Wetter-online berichtet von einem Sturm.

Und dann blockiert mittags ein Sturmschaden meinen Weg

Die Gegend, durch die ich mit dem Ziel Haltern komme, nennt sich "Hohe Mark". Und tatsächlich erlebe ich dann den "Höhen-"rekord dieser Tour bei 149 m über NN.

Haltern am See liegt nicht direkt auf dem Weg von Velen nach Bonn, aber ein freundlicher Hinweis machte mich auf das dortige Römermuseum aufmerksam.


Eine sehr spannende Geschichte wird dort erzählt: während der Lateinunterricht (Caesar: De bello Gallico, Tacitus: Germania) den Eindruck hinterließ, dass die Römer kurzzeitig mal versuchten, sich rechtsrheinisch festzusetzen und dann in der Varusschlacht scheiterte, lerne ich hier, dass in Haltern ein großes befestigtes mehrjähriges Lager für eine Legion (5.000 bis 6.000 Soldaten) über längere Zeit existierte.

Das wird in dem Museum sehr schön erzählt, vor allem werden fast alle Darstellungen als "Versuch" einer Rekonstruktion, also als eine mögliche Erklärung der Funde erläutert. Besonders schön ein kleines Detail: durch den ganzen Raum zieht sich eine Karawane von Spielzeugfiguren. Sie stammen aus der Sendung mit der Maus, die mal mit 16.500 Figuren (3 Legionen) die Varusschlacht nachgestellt haben.




Das zu bewundern dauert etwas länger. Eine Stärkung im Museumscafé fällt aus, das Café hat zu (es ist gerade mal 15 Uhr, aber die Kassiererin des Museums zuckt mit den Schultern und meint, die Betreiberin des Cafés glaube, dass am Wochenende sowieso niemand käme).

Große Freude macht mir dann im Außenbereich folgender Hinweis:
Ich philosophiere darüber,
  • ob das ein Vorwurf an die Ingenieure des Römischen Reichs ist, dass sie nicht an zukünftig sich änderndes Baurecht gedacht haben,
  • ob das den Besucher (museumspädagogisch wertvoll) über die relativ kurze Halbwertzeit des Baurechts im Allgemeinen und und des Festungsbaurechts im Speziellen aufklären will
  • oder ob da ein in Ehren ergrauter Mitarbeiter des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe sich in Sachen "Verkehrssicherungspflichten" an US-amerikanischem Unsinn orientiert hat
  • oder ob es auch in Westfalen humorbegabte Juristen gibt.
Ich hoffe auf letzteres. Es geht wahrscheinlich um so etwas:

Anschließend geht es weiter über kleinere und größere Wege über die Lippe durch Marl bis nach Gladbeck in die "Alte Post".

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